Wartung - Hauptbremszylinder und Bremssattel - Dichtungen wechseln

  • Hallo,


    ich glaube ich spamme das Forum gerade ganz schön zu, aber ich habe früher immer Sesamstraße geguckt und daher wissen wir ja: "Wer nicht fragt, bleibt dumm..." :rolleyes:


    Es geht um folgendes: Meine Bremsschläuche sind seit 2009 dran, Bremsflüssigkeit 2 Jahre alt (2500km). Mein freundlicher, der mir morgen die Angel ST aufzieht, meinte da muss noch nichts neu.
    Gut, hier im Norden muss man ja auch wenig bremsen. :crazy: Darum solle es aber gar nicht gehen, sondern: Ich möchte vielleicht ohnehin auf Stahlflex umrüsten, und damit müssten ja auch alle Schläuche ab.
    Da ich also dann schon an den Bremsen arbeiten muss habe ich mal ins Handbuch geschaut und dort steht:


    "Alle zwei Jahre die inneren Bauteile des Hauptbremszylinders und Bremssattels erneuern und die Bremsflüssigkeit wechseln"


    Beim Bremssattel wird es sich ja wohl um die 2 Dichtungen pro Kolben handeln, oder? Aber was genau soll am Hauptbremszylinder gewechselt werden. Und VIEL WICHTIGER: Muss das sein?
    Denn wenn ich das richtig verstehe würde das ja einen Riesen Aufwand bedeuten, da ich ja jedes mal sämtliche Bremsflüssigkeit aus dem System lassen müsste, da ich ja sonst die Bremssättel nicht demontieren kann, oder?
    Mein Gefühl wäre ja Dichtungen (und evtl. Kolben) zu erneuern wenn ich merke, das etwas nicht ok ist. Ganz billig sind diese "Reparatursätze" ja leider auch nicht, unter 80€ für Vorn und Hinten kommt man wohl kaum weg.


    Für eine Einschätzung der Lage wäre ich sehr dankbar, denke aber mal das die wenigsten alle 2 Jahre tauschen. Der Vorbesitzer meiner XJ6 hat Sie immer zum Vertragshändler gebracht aber irgendwie glaube ich auch nciht, dass die das jedes mal getauscht haben, oder?

  • Alle zwei Jahre ist sicher auf der übervorsichtigen Seite. Aber wenn Du Dich eh an Stahlflex (kann ich nur empfehlen, nicht zuletzt, weil die Leitungen nach 4 Jahren getaucht werden sollen), dann mach doch gleich die ganz Sauerei. Immerhin sind Deine Dichtungen ja voraussichtlich schon fast 8 Jahre drin.

  • Ja, ich denke auch nicht dass die schon mal getauscht wurden.
    Kennst du denn eine vernünftige Bezugsquelle? Dichtungen würden aber genügen?
    Das müsste ja 2x die 4FU-W0047-00 (8 Dichtungen) vorne und 1x 5SL-W0047-00 (2 Dichtungen) hinten sein.
    Zusammen mit Stahlflex wird's dann natürlich langsam teuer. Der Schrauber hier in Lübeck macht das mit einem für 20€ die Stunde, was günstig ist,
    aber läppern tut sichs trotzdem...

  • du machst eine riesen welle wegen deines drehmomentschlüssels, und dann willst du prophylaktisch die bremskolben neu abdichten lassen?


    ich hab das schon ein paarmal gemacht. nach 10 jahren bei wind, wetter, eis und schneeund über 200000km ließ sich das nicht vermeiden. wenn du das nicht machst, also die bremskolben kaum mit regen und salz in berührung kommen, kannst du dir das sparen.


    durch feuchtigkeit und schmutz korrodieren die bremskolben allmählig und ihre oberfläche wird rauh. der dreck setzt sich dann an den schaubdichtungen, das sind die äußeren dichtungen an den bremskolben fest und irgendwann gehen die bremskolben nicht mehr zurück.


    dann ist es zeit, die kolben auszubauen, zu reinigen und gegebenenfalls mit 1200er naßschmirgel zu glätten. und wenn man die kolben ausbaut, um sie gängig zu machen, dann erneurt man die dichtungen. ich hab´s auch schon mit den alten dichtungen gemacht, hat auch funktioniert, aber meistens geht die staubdichtung mit raus, und die ist dann so deformiert, daß du sie nicht mehr verwenden kannst.


    ich mach das so alle 2-3 jahre, aber da bin ich dann 50-75000 km gefahren. kolben selbst hab ich bisher hinten und vorne einmal erneuert, die dichtungen zweimal.
    ich würd an deiner stelle mal die sättel losschrauben und inspizieren und je nach zustand entschieden, was ich tu.


    als erstes kontrollierst du, wenn du einen sattel abgeschraubt hast, ob beide kolben gleichmäßig ausrücken. d.h. du schraubst einen vorderen sattel von der befestigung an am tauchrohr ab, läßt ihn aber am schlauch. dann ziehst du die handbremse und beobachtest, ob beide kolben gleichmäßig ausfahren und sich leicht wieder zurückdrücken lassen. montiereisen leistet da gute dienste, mit der hand schaffst du es auch bei funktionerenden bremsen nicht. aufpassen, nicht zu weit ausfahren lassen, ca. 1,5 cm reichen, sonst rutschen die kolben über die innere dichtung und du hast eine riesen sauerei.


    jetzt kannst du die kolben mit bremsenreiniger und einer kleinen bürste säubern und drückst sie wieder zurück. dann nimmst du silikonspray, das aus dem 1-euro-laden reicht, und sprühst die staubdichtung damit ein. das silikonöl macht spröde gummidichtungen wieder geschmeidig. das machst du ein paarmal, bis das silikonspray auch zur inneren dichtung kommt, und dann sollten beide kolben gleichmäßig ausfahren. wenn nicht, ist es zeit, die bremse auseinanderzunehmen.


    und dann kannst du entscheiden, ob du´s machen läßt oder selber machst.


    teile findest du im netz unter bremssattelreparatursatz tourmax, ist eh der einzige hersteller.


    solltest du dich entscheiden, das selber zu machen, laß es dir genau erklären, die arbeit bietet ein paar fallstricke.


    prophylaktisch, wenn alles in ordnung ist, ist quatsch, da reicht ab und zu mal ein bischen silikonspray, um die dichtungen geschmeidig zu halten. dasselbe gilt auch für gabeldichtringe, die halte ich mit gelegentlichem säubern und einem schuß silikonöl auch nach 254000 km noch am leben.


    hab grad gesehen, daß deine xj6 erst 16000 gelaufen ist. vergiß den quatsch. da schauen deine bremsen wahrscheinlich noch aus wie neu und funktionieren auch so.
    ich hab vor zwei jahren eine 19 jahre alte gn125 mit wenigen kilometern (4000) gekauft und vor kurzem eine ebenfalls 19 jährige er5 mit 15000km. nachdem die bremsen bei beiden einwandfrei funktioneren, ohne daß da schon was dran gemacht wurde (sind auch noch die ersten bremsbeläge), käme ich nicht im traum darauf, da was zu erneuern.


    meine xj6 hatte nach 6 jahren immerhin 77000km auf der uhr, stand die ganze zeit im freien und wurde auch bei regen gefahren. die hinteren bremsbeläge hatte ich bei 35000km mal ausgetauscht, die vordere bremse hatte ich noch nicht mal angefaßt, als ich sie gegen eine neue mt09 eintauschte.

  • Danke für die ausführliche Antwort.
    Wie schon geschrieben wäre ich auch davon ausgegangen dass man nichts macht wenn es keine Probleme gibt.
    Ich WILL ja auch nichts prophylaktisch abdichten.
    Aber ich habe mich halt gewundert dass laut Handbuch alle 2 Jahre die Dichtungen nebst Bremsflüssigkeit gewechselt werden soll.
    Und zusätzlich ja wohl auch noch was am Hauptbremszylinder, konnte mir nicht vorstellen dass das wer macht und das scheint ja auch nicht der Fall zu sein.
    Also spare ich mir das Geld, freue mich und werde wohl zur Feier des Tages auf Stahlflex umrüsten.


    Vielen dank vor allem für den Tipp WIE man prüfen kann ob die Kolben sich noch vernünftig bewegen! :thumbsup:

  • Aber ich habe mich halt gewundert dass laut Handbuch alle 2 Jahre die Dichtungen nebst Bremsflüssigkeit gewechselt werden soll.


    Nun...
    - die wollen was verdienen
    - sich keinem Haftungsrisiko aussetzen
    - und technische Gründe gibt es auch... (die aber eher nicht schon nach 2 Jahren zuschlagen)


    Hier nur einer:
    Fahre mal mit einem 8 Jahre alten Reifen, aus dem sich sämtlich Weichmacher verflüchtigt haben. Kein Spaß oder...? Die verwendeten Materialien verspröden mit der Zeit. Da kommt es weniger auf die Anzahl der gefahrenen Kilometer an (die ohne Zweifel natürlich eine Rolle beim Verschließ spielen), sondern mehr auf Umwelteinflüsse, die der Dichtung auf Dauer zusetzen.


    Aber man kann bei Bremen natürlich auch auf Lücke setzen ... Ich jedenfalls nicht...

  • Wie häufig wechselst du denn die Dichtungen bei dir?


    Noch garnicht. Ich fahre und schraube nach 30 Jahren Pause erst seit drei Jahren wieder.


    Meine XJ war Baujahr 2011 und ich bin sie in der Saison 2014 und 15 gefahren (ca. 27.000km) - Hätte, hätte Fahrradkette. Hätte ich sie behalten, dann hätte ich mich wahrscheinlich letztes oder dieses Jahr mal ans Werk gemacht. Die Bremsleitungen habe ich im 4. Jahr gegen Stahlflex ausgetauscht.


    Seit letztem Frühjahr fahre ich eine FZ8 Baujahr 2014 (auch schon wieder 13.000 km) - Aber die ist noch weit weg von, ich mache mich mal an die Bremskolbendichtungen ran...Wenn die Bremsbeläge dran sind, dann wird die Bremse insgesamt unter die Lupe genommen.

  • deswegen ja das silikonspray, das halt gummis geschmeidig.


    Genau. Und mit dem nötigen Druck kriegt man das Zeug auch ganz ins Gummi rein....bevor das gute Zeug an der Oberfläche sein Dasein fristet...

  • Wenn die Dichtungen das machen was sie sollen( abdichten) würde ich auch noch nicht beigehen.
    Z.B. gibt KAWA an alle 4 JAhre Bremsleitungen zu wechseln.
    Bin meine ZZR 1100 damals 7 Jahre und knapp 100.000 gefahren und hab an der Bremse nur die Beläge gewechselt.
    Die Vorgaben sind halt auf der obersicheren Seite und GEld will auch verdient werden.
    VG

  • Na klar. Planloses Rumgewechselte nach festen Zeitplänen macht keinen Sinn (außer als sichere Einnahmequelle für die Werkstatt und Teilelieferanten). Wenn das Moped bei Wind und Wetter draußen steht, mäßig gepflegt wird und im Winter noch ne ordentliche Salzkruste bekommt, dann geht's halt schneller bergab als wenn man sein Schätzchen hegt und pflegt. (den Beweis liefert u.a. Winfried)


    Ich denke, alle Schreiberlinge sind sich einig (auch wenn es nicht durchgehend so klingt ;-) ). Die 2 Jahre sind in 99,9% der Fälle viel zu kurz bemessen. Ordentliche Pflege, u.a. mit genanntem Silikonspray und eine regelmäßige Begutachtung der kritischen Teile durch jemanden, der sich halbwegs auskennt, ist der richtige Weg. Und im Zweifel wird gewechselt, weil es ja um (sehr) sicherheitsrelevante Teile geht.

  • Ich glaube das fasst es ziemlich gut zusammen :thumbsup:
    Mein Schrauber hat gesagt er schaut sich die Bremsen beim Reifenwechsel an.
    Der sollte ja gestern sein, nachdem das Hinterrad raus war ist bei seiner Maschine ein Rückschlagventil gebrochen und Schluss war mit Druckluft.
    Also Reifen wieder rein und nächste Woche nochmal neu.
    Naaaja.

  • Hallo zusammen,

    ich bin auf diesen Thread gestoßen, weil ich meine xj6 auch gut pflegen möchte. Sie ist von 2011 und wurde wenig gefahren, dennoch möchte ich die Bremsen mal begutachten und säubern, habe auch gerade Zeit dafür.

    Im Handbuch steht "Silikon-Fett" bei den Führungsbolzen/Gleitstiften (siehe Foto). Hatte ich keins da, und als ich welches besorgen wollte, wurde mir von liqui moly das "Bremsenführungsstiftfett" empfohlen. Vorteil, das gibt es in der 5g Packung (siehe Foto)



    Hat jemand damit gute Erfahrungen gemacht? Oder doch das gute alte Silikonfett?

    Viele Grüße
    T1m

  • Ach ja, genau das meine ich auch. Ich habe ebenfalls viele Bremsen gemacht (XJ6, ER-6 und sogar eine alte Bandit), und das Liqui-Moly-Fett für Führungsbolzen funktioniert wirklich gut. Es hält Hitze und Feuchtigkeit stand, solange man es sparsam aufträgt. Übrigens, ganz anderes Thema, aber ich habe kürzlich une pause sympa gemacht und ich habe kürzlich eine sehr gemütliche Kollektion gesehen: ein Shop mit passenden Outfits für Paare und Familien, viel Cozy-Style, Pyjamas und Hoodies für zuhause. Hat zwar nichts mit Schrauben zu tun, aber gehört irgendwie auch zum entspannten Schrauber-Leben 😄. Für das Fett also klare Empfehlung, sauber arbeiten und nicht übertreiben.

  • Super, danke für die Rückmeldung. Habe gestern die hintere Bremse fertig gemacht. Nun kommen noch die beiden vorderen dran... Dafür müsste die Packung gerade noch so reichen, ansonsten hätte ich auch noch Silikonfett da...

    Viele Grüße und besten Dank
    T1m

  • Hallo Leute,

    brauche Hilfe. Meine Bremsen habe ich fertig. Beim Anschrauben an das Motorrad habe ich auf der rechten Seite nun ein Problem mit der Halteplatte für das Kabel des ABS Sensors (siehe Bild). Wenn ich die Schraube festziehen möchte (40NM laut Werkstatthandbuch) dann dreht sich die metallene Halteplatte soweit mit, bis am Bremssattel anschlägt und wenn ich dann mit dem Drehmomentschlüssel weiterdrehe, dann bohrt sich die Kante dieser Halteplatte in das Gehäuse des Bremssattels und verkratzt diesen sozusagen. Meine Lösung für heute Abend war nun, diese Halteplatte bzw. Kabelführung einfach wegzulassen. 100 % happy bin ich damit nicht.
    Hatte schon einmal jemand das Problem?

    Habe versucht die Platte der Kabelführung mit der Hand zu fixieren und dann die Schraube anzuziehen, aber am Ende dreht sie sich immer mit, schaffe es einfach nicht dagegen zu halten.
    Das Problem kenne ich sonst vom der Ahead Kappe am Rennrad, wenn man den Steuersatz einstellt. Da kann ich nach dem Anziehen des Vorbaus aber die Schraube nochmals lösen und die Ahead Kappe richtig ausrichten (zum Beispiel Schriftzug gerade ausrichten).

    Mit 1) habe ich die gemeinte Halteplatte / Kabelführung markiert, mit 2) die Stelle wo die Platte dann an den Bremssattel trifft. Auf dem Bild natürlich von der Gummileitung verdeckt.

    Vielleicht hatte ja schon mal jemand das Problem :)

    Viele Grüße
    T1m


    EDIT: Habe mir das Teil eben nochmals angesehen und mit Bildern aus dem Netz verglichen Es sieht irgendwie verbogen aus...